KUNST ● Teil 2: Franz Erhard Walther in der Synagoge

Gut 20 Kilometer nördlich von Köln liegt in einem Hinterhof des Ortes Stommeln eine Synagoge, die wegen zwischenzeitlicher Nutzung als Abstellschuppen die Naziprogrome überstanden hat. Seit 1991 findet dort einmal jährlich eine Ausstellung eines international angesehenen Künstlers statt. Wir waren 2014 schon einmal zu Besuch dort, als Gregor Schneider das Gebäude in ein typisch deutsches Wohnhaus verwandelt hatte.
Nun also „Zwei Körperformen GELB“ von Franz Erhard Walther.

Zwei mit gelbem Baumwollstoff bezogene Elemente stehen gegeneinander versetzt im Raum. Ich kann diese umrunden oder auch an der senkrechten, mit Ausbuchtungen und Wölbungen versehenen Seite näher treten. Durchaus so nahe, dass der Raum nahezu aus meinem Gesichtsfeld verschwindet und ich nur noch GELB wahrnehme.

Auch, wenn die Aussparungen nicht ideal passen, wird das Objekt erst durch meine Mitwirkung (Aktivierung) komplettiert. „Durch die körperliche Verbindung mit dem Kunstwerk erhält nicht nur dieses eine andere Form, einen neuen Ausdruck und sprichwörtlich Leben, auch der Benutzer selbst fügt sich damit innerhalb der gegebenen Situation im Synagogenraum in eine andere Ebene ein, er wird zum plastischen Material.“ (Ann-Kathrin Günzel im Kunstforum 257)

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So ganz hautnah traue ich mich nicht, an das GELB heranzutreten. Trotzdem empfinde ich es licht und sonnig, im übertragenen Sinne warm und lebendig. Allerdings führt mich nichts hinaus, ich fühle mich in mir. Nur in mir. Und dann stehe ich ? Minuten im SoSein, begrenzt durch das Ruhen des Blickes auf der nahen Baumwollstruktur. In sich Sein. „Stille und Ruhe.“ FEW

Und dann wieder Beziehung aufnehmen, es gibt ein Objekt gegenüber. Von der dahinter stehenden Person ist nur der linke Arm wahrnehmbar. Auch dort ein ruhiges Aktivieren des Werkes. Schließlich der Raum drumherum. Er taucht wieder auf durch Drehen des Kopfes, durch einen Schritt zurück. Es sind überschaubare 40 Quadratmeter – aber mit welcher Geschichte! Zunächst als Kultusraum, später als landwirtschaftliches Lager. Schließlich als Rahmen für Kunstausstellungen.

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Im Nachhinein dazu gelesen:

Goethe, Zur Farbenlehre, Didaktischer Teil, Sechste Abreilung, Sinnlich-sittliche Wirkung der Farbe:

„Gelb: 765. Es ist die nächste Farbe am Licht. … 766. Sie führt in ihrer höchsten Reinheit immer die Natur des Hellen mit sich und besitzt eine heitere, muntere, sanft reizende Eigenschaft. … 768. So ist es der Erfahrung gemäß, daß das Gelbe einen durchaus warmen und behaglichen Eindruck mache. Daher es auch in der Malerei der beleuchteten und wirksamen Seite zukommt.“

Der von FEW verwendete Farbton kommt dem Chromgelb am nächsten: „Chromgelb wurde ab 1818 in Fabriken erstmals hergestellt und war im 19. Jahrhundert ein beliebtes Pigment für Farben. Van Gogh verendete es ausgiebig, da er sich die teuren Cadmiumfarben  nicht leisten konnte. Das typische Gelb der Post ist daraus entstanden. Chromgelb besteht aus dem giftigen und krebserzeugenden Bleichromat mit der chemischen Formel PbCrO4. Es besitzt ein hervorragendes Deckvermögen. In Öl oder unter dem Einfluss von schwefelhaltigen Verbindungen kann es nachdunkeln. Heute wird es in Europa nicht mehr verwendet.“ Durch die Verwendung dieser Farbpigmente ist davon auszugehen, dass Van Goghs Sonnenblumenbilder durch das Nachdunkeln regelrecht gewelkt sind.

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